Handwerk im Jahr 2022

Malermeister

Darf ich Sie ins Jahr 2022 entführen? Malermeister Max Michel aus Wiesbaden checkt morgens um 7.00 Uhr auf seinem Smartphone die neuen Anfragen die über WhatsApp, seine eigene Webseite und vor allem das Vergleichsportal „Mega-Check“ reingekommen sind. Mega-Check ist durch den Zusammenschluss von Check24 und Preis24 entstanden und konnte dann Verivox aus dem Markt drängen. Mega-Check hat inzwischen in Deutschland einen Marktanteil von 75%, wenn es um Dienstleistungsanfragen aller Art geht, und liefert sich einen harten Kampf mit Google und Amazon um alle einkaufs- und auftragsbezogenen Anfragen von Privatpersonen, aber auch von allen kleinen und mittleren Unternehmen, die keine eigene Beschaffungsplattform betreiben können.

Plattform-Wirtschaft wird das Handwerk massiv verändern

Mega-Check bietet Malermeister Michel als Premiumkunde die Möglichkeit, auch die Anfragen, die über die Webseite und WhatsApp reinkommen, im selben Portal zu betrachten, wie die Mega-Check-Anfragen. Künstliche Intelligenz überführt dabei auch als normalen Text geschriebene oder als Sprachnachricht gesprochen Anfragen in das Schema von Mega-Check.

So kann Malermeister Michel die Vielzahl der Anfragen – es sind meist jeden Tag zwischen 30 und 40 Stück – sehr genau filtern. Nach Region sowieso, nach Zeitpunkt, nach Art des Auftrags, nach Vollständigkeit der Anfrage und vielem mehr. Dazu gehört auch der zu erwartende Verdienst bzw. Durchschnittstundensatz. Dazu gleich etwas mehr.

Ohne klare Positionierung geht nichts mehr

Max Michel hat sich selbst klar auf zwei Bereiche fokussiert: extrem serviceintensive Anfragen. Die heißen beim ihm „sorglos, super sauber und zwar sofort“. Und zum anderen kreativ und handwerklich sehr anspruchsvolle Anfragen. Beides bietet er inzwischen in einem Radius von 100 km um Wiesbaden an. Dabei ist er mehr und mehr zum Auftragsmanager geworden – wie wir sehen werden – gleichzeitig kann er es sich erlauben, im Monat ein oder zwei besonders spannende Arbeit noch persönlich eigenhändig umzusetzen, was ihm sehr wichtig ist.

Heute interessiert ihn vor allem eine Anfrage: Frau Luisa Luxus möchte innerhalb von 2 Tagen ihre 200 qm Eigentumswohnung in bester Wiesbadener Lage in einer neuen Farbe gestrichen bekommen, weil sie am Wochenende eine Abendveranstaltung plant – und da passt ein leichtes Orange besser als das Grün, das sie bis jetzt hatte.

Smart-Home liefert Daten fürs Handwerk und Kunden

Frau Luxus hat Dank der App von Mega-Check, die auf die Smart-Home-Daten von E.ON zurückgreift, schon komplette Vermaßungen der Wohnung im Angebot mitgeliefert. Als Premium-Nutzer von Mega-Check weiß Herr Michel, dass diese Daten von E.ON-Smart-Home sehr zuverlässig sind. Er muss also weder ein eigenes Aufmaß veranlassen noch allzu viel Sicherheitspuffer miteinkalkulieren. Max Michel optioniert sofort das Angebot. D.h. er wird einer von max. 4 Anbietern sein. Herr Michel hat selber nur noch 3 festangestellte Gesellen. Er arbeitet sehr viel mit Leiharbeitern aus Rumänien und der Ukraine zusammen. Die rekrutiert er über die Plattformen einen polnischen und eines ukrainischen Start-Ups. Hier gibt es Profile und Bewertungen und Verfügbarkeiten von Handwerkern fast aller Gewerke. Vor allem übernehmen die Plattformen auch die Garantie, dass die Aufträge korrekt gemäß allen rechtlichen und steuerlichen Vorgaben der EU und Deutschlands abgewickelt werden und stellen Max Michel im Zweifel von der Haftung frei.

Er check gleich, ob einer seiner Favoriten in den fraglichen Tagen für den Auftrag von Frau Luxus verfügbar ist. Das ist der Fall. Auch hier schickt er gleich eine Option an Dimitri weg. Er macht sein Angebot an Frau Luxus fertig. Er kennt die Maße, er kennt den Festpreis von Dimitri. Jetzt baut er noch als Zusatzmodule ein paar seiner abgespeicherten Spezialitäten aus seinem Service-Segment ein. Zwei Tage Übernachtung in der Suite im Nassauer Hof mit Wellness-Programm und Abholung vom Limousinen-Service. Die Foto-Dokumentation Vorher-Nachher. Und die Abnahme und Übergabe mit ihm persönlich. Und rausgeht das Angebot. Es sind personalisierte Angebote in seinem Namen. Alles das tut er immer noch vom Smartphone aus und es ist kaum mehr Zeit dafür vergangen als ich hier zum Erzählen brauche.

Schnell schlägt langsam – nicht groß schlägt klein

Keine Stunde später ist der Auftrag von Frau Luxus da. Die Wellness-Übernachtung bucht sie. Das bedeutet nette 10% Provision auf das Arrangement vom Nassauer Hof. Allerdings muss er da gleich noch persönlich anrufen, weil der Nassauer Hof immer noch keine Vernetzung zu ihm oder zumindest zu Mega-Check hinbekommen hat. Auf die persönliche Übergabe hat die Kundin verzichtet, aber die Fotodokumentation nimmt sie, sicher ist sicher.

Auftragsbestätigung geht gleich an Dimitri raus inkl. der Info, was sein individueller Hauscode für die Wohnung von Frau Luxus ist und in welchem Zeitfenster dieser gilt. Gleichzeitig vergewissert er sich, ob Dimitri auch die neuste Version der Baustellen-Doku-Software auf seinem Rechner und seiner Drohne hat für die saubere Vorher-Nachher-Doku.

Persönlichkeit und klare Leistungsversprechung – unschlagbar gerade im digitalen Zeitalter

Am übernächsten Tag erhält Meister Michel – wie auch Frau Luxus – die Mitteilung, dass die Wohnung mit dem temporären Code betreten wurden. Dimitri und seine drei Mitarbeiter tragen Kleidung von Meister Michel. Sicher ist sicher. Man weiß nie, wer sie im Haus sieht und ob Frau Luxus nicht eine Videoüberwachung in ihrer Wohnung hat.

Der Farbton wurde noch über die skalierten Retina-Displays von Frau Luxus iPhone und Meister Michels Tablett abgestimmt. Der digitale Farbmischer des Farben-Einkauf Süd-West hat diese Angaben auf Basis der Altfarbe umgesetzt und Dimitri die genau berechnete Menge mit 5% Sicherheit abgeholt. Aufgrund der genauen Farbanalyse könnte Dimitri zur Not auch genau identische Nachmengen abholen. Keine 30 Minuten nach Betreten der Wohnung kommt die komplette Vorher-Dokumentation rein. Michel checkt die Bilder – keine böse Überraschung. Dimitri arbeitet schnell wie immer. Max Michel hat da inzwischen großes Vertrauen, obwohl er ihn nur bei seinem allerersten Auftrag persönlich getroffen hat und seine drei Mitarbeiter gar nicht kennt – es sind eh immer andere.

Technischer Fortschritt im kleinsten Detail von Dokumentation bis Farbbestimmung

Schon am frühen Nachmittag kommt die Fertigmeldung von Dimitri und die Nachher-Dokumentation – wobei hier eine KI das Trockungsverhalten der Farbe nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit simuliert. Michel macht noch eine kurze Videokonferenz mit Dimitri, bei der sie noch zwei, drei Stellen direkt in Augenschein nehmen. Dann gibt Meister Michel Dimitri das Okay – per Videokonferenz und gleich im Anschluss auch über das Buchungsportal für seine Kooperationspartner, zusammen mit der zwölften 5-Sterne-Bewertung und einem kurzen persönlichen Kommentar für Dimitri.

Am nächsten Morgen fährt er aber doch nochmal, bevor Frau Luxus gleich wieder vom Limo-Service zurückgebracht wird, in die Wohnung und schaut sich alles live an. Er ist sehr zufrieden. Er hinterlässt noch einen farblich abgestimmten Blumenstrauß für Frau Luxus, denn er weiß aus den sozialen Medien, wie bekannt und wichtig sie in der Wiesbadener Szene ist. Dann deaktiviert er den temporären Zugangscode zur Wohnung.

Rechnungen sofort per Mausklick erstellen

Noch im Aufzug veranlasst er vom Smart-Phone die Rechnungsstellung an Frau Luxus. Hier nutzt er den Inkasso-Service der Deutschen Vermögensverwaltung. D.h. aufgrund des elektronischen Auftrags von Frau Luxus ist bei deren Scoring schon am Abend die komplette Summe mit einem ½ Prozent Abzug auf seinem Konto. Dimitri bekommt am nächsten Tag sein Geld automatisch. Seine persönliche Zeiterfassung sagt Meister Michel, dass er inkl. dem persönlichen Besuch in der Wohnung weniger als 2 Stunden mit dem Auftrag zugebracht hat. Da sind 750,- Euro Rohertrag schon ganz okay. Und er bereut es nicht 70,- Euro in einen Blumenstrauß für Luisa Luxus investiert zu haben. Gleichzeitig freut er sich auch auf die aufwändige Renovierung eines Jugendstil-Treppenhauses nächste Woche, wo er wieder selbst Hand anlegen kann.

Auf der Straße trifft er Malerkollegen Karl, der mit drei Mitarbeitern aus dem Transporter steigt. Er überlegt kurz, ob der der Begrüßung aus dem Weg gehen soll, aber dann hört er sich doch die Tirade über Preisdruck, faule Mitarbeiter, undankbare Kunden an. Michel will Karl gerne als Kooperationspartner gewinnen und fragt, ob er mal Zeit für ein Essen hätte. Als Karl dann ins seinem Transporter wühlt, mit einem verschmierten Tischkalender wieder auftaucht und sagt, er hätte überhaupt keine Zeit, er müssen endlich mal Rechnungen schreiben, die seit 2 Monaten liegen geblieben sein – seit seine Frau abgehauen ist – überlegt Michel es sich nochmal, ob er wirklich mit Karl über die digitale Zukunft im Handwerk reden möchte.

Das Digitalisierungs-Frühstück für Handwerker ist der Anfang von allem

Wann hatte eigentlich bei ihm das angefangen, dass er zum erfolgreichen Auftragsmanager und gleichzeitig wieder zum glücklichen Malermeister wurde? Stimmt das war doch bei dem Digitalisierungs-Frühstück für Handwerker, das Volker Geyer und Klaus Bernsau im Herbst 2019 in Wiesbaden angestoßen hatten. Vielleicht sollte er den beiden auch nochmal wieder einen Blumenstrauß schicken. Die App dazu hat er ja.  ENDE

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